Montag, 6. Dezember 2010

Geburtstag


Heut‘ ist Nikolaus, ich bin jetzt genau vier Monate und einen Tag in Togo, aber das wichtigste ist eigentlich: Heute ist der Geburtstag meiner zweitältesten Gastschwester. Acht Jahre alt ist sie geworden und grade haben wir zusammen mit der Familie ein wenig gefeiert.
Alle zusammen haben wir uns um den Esstisch gestellt und für meine Schwester gesungen, dann wurden Kerzen ausgeblasen und es gab ein paar kleine Geschenke.
Dann wurde mit allen zusammen eine kleine Flasche Limonade geteilt. Klingt jetzt komisch, jedoch an diesem Moment habe ich wieder ein Mal gemerkt, wie unterschiedlich hier einige Dinge wertgeschätzt werden. Die Flasche wurde auf alle acht Familienmitglieder aufgeteilt und alle haben ganz andächtig getrunken. Diese Flasche Limonade, die ich mir sonst mal eben kaufe, weil ich Durst habe, war in der Familie etwas ganz besonderes und gibt es hier nur zu ganz besonderen Anlässen…
Wenn man zu jeder Zeit alles bekommen kann, was man will, verliert man leicht die Wertschätzung für jenes „Produkt“. Auch wenn es nur eine Flasche Limo ist.

Ansonsten geht’s mir gut, ich steuer mit Höchstgeschwindigkeit aufs Bergfest zu, nach Weihnachtsstimmung bin ich immer noch vergeblich auf der Suche. In Europa sind alle eigeschneit, hier hat heute offiziell die Zeit des Harmattans angefangen. Von nun an bringt stetiger Wind aus dem Norden jede Menge Sand aus der Sahara mit ins Land.

Mittwoch, 17. November 2010

Lärm


Heute Abend mal etwas über Lärm. In literarisch leicht „übersteuerter“ Form.
Abends fangen die Jungs draußen an, mit ihren Jembés zu proben. Das ist eigentlich ziemlich gut, aber laut, halt. Ich sitze also am Tisch, esse meinen ziemlich leckeren Avokadosalat und höre den Trommeln zu. Von diesen fühlen sich jedoch meine Gastschwestern dazu animiert dazu zu tanzen, und gaaanz laut dazu zu schreien, sich gegenseitig zu ärgern und alles in einer Lautstärke, die mir den letzten Nerv raubt.
In solchen Momenten bewundere ich immer zutiefst meine Gastmutter die alles mit stoischer Gelassenheit trägt. Jahrelanges Training, oder einfach nur Gelassenheit in ihrer reinsten Form.
Hinzu kommt der allabendliche Konkurrenzkampf der Bars in Kpalimé um die geschätzte Kundschaft. Dabei gehen viele der Besitzer davon aus, derjenige mit der lautesten Musik habe auch automatisch die meiste Kundschaft. Also werden die Boxen ordentlich übersteuert, und nur Taube oder diejenigen die es noch werden wollen, wagen sich noch in die Bars. Besonders gut also, dass eine der Bars dieser Art direkt bei mir gegenüber allabendlich ihre Pforten öffnet.
Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann noch zu der Einsicht gelangen würde, dass Gesetze bezüglich Lärmschutzes von Anwohnern, wie auch immer im korrekten Beamtendeutsch bezeichnet, Sinn ergeben…

Dies soll keineswegs als Tirade gegen togoischen Gegebenheiten gesehen werden, sondern als eine Einsicht in die Gedanken eines vielleicht doch noch nicht an alles gewöhnten Freiwilligen in Togo. 

Samstag, 6. November 2010

Projekt, Visa


Erleichterung: Das Projekt wird (vorerst) nicht geschlossen. Zwar bestehen immer noch die Probleme bezüglich der Finanzierung, jedoch haben sich die Lehrer dazu entschlossen, trotz zum Teil geringerem Einkommen, die Schule bis zu den Sommerferien 2011 fortzuführen. Wie genau dann die Finanzierung fortgesetzt wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall wird nach einer Lösung gesucht und ich habe weiterhin Arbeit.

Dieses Wochenende waren wir wieder einmal in Lomé, diesmal um unsere Visa verlängern zu lassen. Dazu fährt man zum Service de Passport, füllt drei Mal den Antrag aus, legt vier Passfotos und 30.000 CFA bei und am folgenden Tag kann man seinen Pass abholen und wieder drei Monate legal in Togo verbringen.

Montag, 25. Oktober 2010

Arbeit


Wenn ich nicht gerade Berge besteige oder versuche Höhlen zu erkunden, gehe ich natürlich immer noch dem Hauptzweck meines Aufenthaltes hier in Togo nach. Arbeiten.
Wie lange ich dieser Beschäftigung noch im derzeitigen Rahmen nachgehen kann wird leider immer ungewisser.
Die bereits immer wieder erwähnten Finanzierungsprobleme in der Envol Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche werden tragischer Weise immer akuter und nach ausführlichen Gesprächen mit dem Chef vom Campagne des Hommes sieht es bei aktueller Situation so aus, als müsse die Einrichtung zu den Winterferien geschlossen werden. 

Von dem Versuch eine Höhle zu besichtigen


Am Sonntag, den 24.10. haben wir mal wieder einen Ausflug in die nähere Umgebung von Kpalimé unternommen. Mit insgesamt sechs Motorrädern sind wir schließlich in einem Dorf in den Bergen angekommen um uns dort eine Grotte oder eine Höhle anzuschauen. Da es sich jedoch um eine heilige Grotte handelte, mussten wir erst mit den ältesten Männern des Dorfes sprechen, ansonsten wäre unsere Reise verflucht worden. Hier also eine Begegnung mit den in Togo praktizierten traditionellen Religionen.
Auf Anraten von einem unserer Freunde aus Kpalimé haben wir gleich bei Beginn unserer Ankunft eine Flasche Gin gekauft –als Geschenk für den Dorfchef, von dem wir auch gleich empfangen wurden.
Alle haben sich in einem Kreis vor seinem Haus gesetzt und die Verhandlungen konnten beginnen. Nach kurzer Zeit wurde klar, dass eine Flasche Gin bei weitem nicht reicht, um gesegnet die Grotte betreten zu können. Nein, es sollten drei Flaschen Togogin, ein hier produzierter, hochprozentiger Schnaps (manche sagen, bis zu 70 %) plus 5000 CFA sein. Mit dieser Gabe sei unsere Reise sicher und wir könnten beruhigt die Grotte betreten.
Wir waren da ein wenig anderer Meinung, haben uns jedoch freundlich für den Empfang bedankt und haben dann noch einen Berg, von dem man wunderbar die hügelige Landschaft rund um Kpalimé bestaunen konnte, bestiegen. Vorher sind wir im Rahmen der Abschiedszeremonie noch in den Genuss von Soda Bee, bzw. Togogin gekommen – auch eine Erfahrung für sich…

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Von einem Erlebnis auf dem Grand Marché (Lomé)


Von einem Ereignis auf dem Grand Marché von Lomé:
Eine Gruppe von Freiwilligen geht am Montagvormittag über den Grand Marché von Lomé. Es ist, wie immer, heiß, stickig, überall sind Menschen und Stände an denen Händler versuchen, den doch irgendwie wohlhabend aussehenden Yovos (Ewe = schlauer Hund, Bezeichnung für Weiße) ihre Waren feilzubieten. Die Gruppe von Freiwilligen ist mittlerweile durch einige Meter Abstand und Menschenmassen getrennt, jeder schaut sich die verschiedensten Artikel an – kurz um: eine ganz normale Situation auf dem Markt.
Plötzlich werden zwei der Freiwilligen von zwei eilig wirkenden Männern angerempelt, die aber gleich wieder in der Menschenmasse verschwunden sind.
„Scheisse mein Geld ist weg!“
18.000 CFA in der Brusttasche eines Hemdes sind für jeden einigermaßen talentierten Taschendieb leichte Beute. Jetzt denkt Jeder, ach scheisse, war blöd, ist jetzt aber passiert, kann man nichts ändern. Jetzt kommen wir jedoch erst zum interessanten Teil der Geschichte:
Nachdem der eine Freiwillige sich erst mal ordentlich aufgeregt hat, macht er ordentlich Alarm – jeder im Umkreis von zehn Metern hat augenblicklich mitbekommen, dass einem Weißen umgerechnet knapp 30 € geklaut worden sind. Jeder schaut sich nach einem eventuellen Dieb um und tatsächlich hat ein aufmerksamer Passant den Langfinger ausgemacht und blitzschnell ist der Dieb gestellt. Dieser rückt nach wütenden Worten einiger ehrlich aufgebrachter Männer schließlich sogar das Geld wieder raus.
Mit Hilfe des halben Marktes hat der Yovo also sein Geld wiederbekommen.
In einem so armen Land wie Togo sind 30 Euro eine ganze Stange Geld mit der man für einige Zeit sicher etwas zu Essen hat.
Jedoch hat der Freiwillige sein Geld bis auf den letzten CFA wiederbekommen.